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-- Lyrik
--- Der alternde Winter

Nannophilius - 04.03.2005 um 15:43 Uhr

Ganzen Tag über unschlüssig ist das Märzwetter.
So fallen die Schneeflocken auf noch farblose Aue,
Gehen gleich in Nieselregen über und umgekehrt,
Wobei sich die Sonne auch kurz zeigt zum Glück.

Denn am Scheideweg zaudert der alternde Winter,
Denkt wehmütig an seine herrlichste Zeit zurück:
Schneegestöber, Frostblüten, schöpferische Ruhe.
Hat in Stille die Natur aufs neue Leben vorbereitet.

Seoul, den 4, März 2005
Hungki Park alias Nannophilius




bodhi - 12.03.2007 um 21:11 Uhr

Wie wollen wir unseren Nachkommen mal erklären, wie es damals war, als noch Schnee fiel?

"Mein Kind, damals, vor dieser zunehmenden Wärme, da gab es so was Weißes, das fiel vom Himmel, das nannte man Schnee, das blieb liegen, und man musste Winterreifen aufs Auto aufziehen, weil sonst die Versicherung bei einem Unfall nicht gezahlt hätte, und man konnte Schlitten fahren, Bobs mit Bremsen (neinnein, nicht Wok-WM im Fernsehen! In echt! Da hinten auf der Wiese!), man musste sich warm anziehen, und dann traf man sich anschließend zum Heißeschokoladetrinken..."

Oder so.




mande - 19.03.2007 um 19:57 Uhr

Hallo,
Nannophilius.
Es ist ein eigentümliches mir sehr behagendes Gedicht. Wohl auch wegen die Sprache. Ein Hauch von Zen und, bei deine Zeilen:
´Denn am Scheideweg zaudert der alterne Winter...

muste ich an ´Osterspaziergang´ (Faust) denken:
´Der alte Winter in seiner Schwäche,
zog sich in rauhe Berge zurück.´

Goethe, mein erster Kontact mit deutscher Literatur.

Mit Grüssen,
Mande




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