Diedrich Diederichsen - Das 21. Jahrhundert. Essays
Buchinformation
Vielschreiber Diedrich Diederichsen (Jahrgang 1957) blickt zurück und gibt eine weitere Sammlung seiner Texte, die zwischen dem 20. und 21. Jahrhundert in diversen Publikationen erschienen, heraus. Sein Vorwort beschwichtigt, dass eine so frühe Geschichtsschreibung über das 21. (nach 24 Jahren) durchaus auch andere schon ersinnen. So sei Carl Einsteins "Kunst des 20. Jahrhunderts" ja auch schon 1926 veröffentlicht worden. Das sei als kein Größenwahn, sondern vielmehr eine Sammlung ohne prognostische Versuche.
Diederichsen Kompendium
Wer Diederichsen kennt, wird ihm jedenfalls nicht böse sein, hier ein Kompendium vorzulegen, das jederzeit in seinen Schriften schmökern lässt, ohne nach den alten Zeitschriften suchen zu müssen. Quellen sind u.a. Die Taz, Jungle World, Die Zeit, Merkur oder diverse Sammelbände. Bei KiWi sind seit 1985 schon neun Bücher (u. a. "Sexbeat", "Politische Korrekturen", "Über Popmusik") erschienen, als Redakteur bei den Musikzeitschriften Sounds und SPEX macht er in den 80er Jahren Furore, heute arbeitet er als Hochschullehrer u. a. in Stuttgart, Frankfurt, Wien, Pasadena, St. Louis, Los Angeles. Der Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien warnt in seinem Vorwort auch vor einer "Wiederkehr der Genese von Faschismus", der heute nicht mehr konservativ und traditionalistisch, sondern revolutionär und neo-traditionalistisch auftrete. Die Interessen des weißen Mannes der seine Perspektiven und Interessen hinter einer Normalität versteckt, die sich noch als Universalismus selbst verklärt, sind nicht dieselben wie die von Diedrich Diederichsen.
Prinzip Montage
Es geht u.a. um Roberto Bolano, den wahren Geist von Punk ("offene Aggression, Respektlosigkeit, Sarkasmus"), Diskursethik, das Rekonstruieren von Authentizismus, Rilke, Bowie und Prince, Carlo Giuliani und Benno Ohnesorg, Wiener Gruppen u.v.a.m. Wer wissen will, was im jeweiligen Jahrzehnt wichtig war, kann jetzt einfach bei DD im "21. Jahrhundert" nachschlagen. Die Themenbreite reicht von Popkultur zu Architektur, ästhetischer Theorie, Serien, Berlin, Demokratie, Kunst, Ideologie, Politik und "Minima". Diederichsen ist bekannt dafür, dass er scheinbar Unzusammenhängendes zu verknüpfen vermag und so neue Horizonte von Perspektiven eröffnet. Was der Leser:in daraus bleibt jedem selbst überlassen, denn ein begnadeter Schreiber ist ja noch lange kein guter Erzähler. Wer sich vom Gegenteil überzeugen will, kann den DD ja an der Akademie in Wien besuchen oder auf einer seiner Lesereisen. Denn er hat noch lange nicht alles gesagt, geschweige denn erzählt: "Die Ur-Formulierung des surrealistischen Schocks, seiner programmatischen Konfrontation des Unvereinbaren lautet bei Lautréamont `Begegnung eines Regenschirms it einer Nähmaschine auf dem Seziertisch´. Sie lässt sich als allegorische Vorwegnahme des Prinzips der Montage im Film verstehen."